Mit dem Newsletter werden wir alle Spender und Unterstützer auf dem Laufenden halten, was wir – Dank Ihrer Hilfe – leisten konnten.


Leben in Freiheit für Frauen
aus Menschenhandel / Zwangsprostitution
14.12.2013

Stellungnahme zu den Medien taz und Panorama 3


Nachdem an Gaby Wentland für ihre ehrenamtliche Arbeit bei MISSION FREEDOM e.V. der Bürgerpreis der deutschen Zeitungen verliehen wurde, gab es neben viel positiver, leider auch negative Resonanz - seitens TAZ und Panorama. Wir sind betroffen, da dort einige Tatsachen falsch dargestellt sind. Deshalb hier eine Klarstellung aus unserer Sicht:

Wir haben vor drei Jahren, am 1.1.11, den Verein MISSION FREEDOM gegründet. Das schreckliche Leid von Betroffenen des Menschenhandels hat uns motiviert, denen eine Stimme und Unterstützung zu geben, die dringend Hilfe benötigen. Unsere Arbeit besteht aus den wichtigen Säulen: Aufklärungsarbeit (tausende von Menschen auf in- und ausländischen Veranstaltungen wurden mit Vorträgen von uns erreicht – allein in 2013 rund fünfzig Veranstaltungen), Betreuung und Unterstützung von Betroffenen des Menschenhandels, insbesondere Zwangsprostitution. Die geschieht vollstationär in unserem HOME oder ambulant oder durch ein separates Streetwork-Team. Zudem sind wir in verschiedenen Kooperationen aktiv u.a. „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, haben u.a. eine Petition an die Bunderegierung eingereicht, damit Menschenhandel in Deutschland stärker bekämpft wird und bessere Opfer-Rechte eingeführt werden.

Wir starteten komplett ehrenamtlich und der Vorstand und viele Unterstützer arbeiten auch heute noch vollkommen ohne Gehalt. Damit wir an 7 Tagen die Woche, rund um die Uhr, eine hochwertige Arbeit sicherstellen können, wurden gut ausgebildete Mitarbeiterinnen fest angestellt. Wir können bis zu 10 betroffenen Frauen in unserem HOME für Wochen oder Monate aufnehmen. Unsere Arbeit finanziert sich nahezu ausschließlich aus Spenden und wir danken allen Spendern und Unterstützern für ihr Engagement gegen den würdelosen Menschenhandel.

Hier einige Richtigstellungen:

Um den Bürgerpreis vom Verband der Deutschen Zeitungsverleger kann man sich nicht bewerben. Zeitungen schlagen dort viele Projekte vor, aus denen über 250 Chefredakteure der deutschen Zeitungen eine Person auswählen.

LKA – wir haben in der Vergangenheit sehr wohl mit der Hamburger Polizei zusammengearbeitet und waren auch mit einem ganzseitigen Artikel in der Mitarbeiter-Zeitung der Polizei vertreten. Verändert hat sich die Situation, als vor ein paar Monaten deutlich wurde, dass das LKA und MISSION FREEDOM die Lage hier in Hamburg bei (minderjährigen) Zwangsprostituierten völlig unterschiedlich einschätzen. (Das LKA ist der Meinung, es gibt kaum oder verschwindend geringe minderjährige Zwangsprostituierte in Hamburg.) Zahlen werden laut Senatsanfrage nicht erfasst. Die mit der Stadt zusammenarbeitende Organisation Koofra gibt an, weniger als 40 Frauen aus der Zwangsprostitution betreut zu haben.

Aufklärung ist weiterhin eine sehr große Aufgabe von MISSION FREEDOM – in Herkunftsländern der Frauen genauso wie in Deutschland. Allein in diesem Jahr haben die Mitarbeiter von MISSION FREEDOM im In- und Ausland über 50 Vorträge gehalten. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in den Herkunftsländern der Frauen. Möchte die Klientin in ihr Heimatland zurückkehren, wird die Rückreise organisiert und finanziert und ein Empfang mit Betreuung durch eine partnerschaftliche Hilfsorganisation vor Ort angeboten.

DVD - Ja, Lisa gibt es wirklich (Name zum Schutz geändert). Sie hatte ihre Lebensgeschichte noch vor Gründung von MISSION FREEDOM einer Diakonin erzählt, die mit Gaby Wentland bereits vor einigen Jahren Kontakt aufgenommen hatte. Es gab und es gibt für MISSION FREEDOM keinen Anlass, dieser Frau nicht zu glauben. Lisa hat auch auf dem Kirchentag vor hunderten von Menschen über ihr Schicksal gesprochen. Die DVD wurde gesponsert und für Aufklärungsarbeit eingesetzt, allerdings auf Grund der Vorwürfe vom Markt genommen. Die Polizei ist der Ansicht, dass diese Geschichte so nicht stimmt und es wird uns vorgeworfen, dass Lisas Gesicht nicht unkenntlich gemacht wurde (Lisa wollte selbst den vielen Frauen in Zwangsprostitution ein Gesicht geben). Leider müssen wir feststellen, dass diese Geschichte kein Einzelschicksal ist, sondern wir diverse Frauen mit ähnlichen Lebenswegen kennen.

Predigten – ja, Gaby Wentland ist engagierte Christin in einer freien Evangelischen Gemeinde, die in keinster Weise zu einer Sekte gehört. Ja, wie in allen Kirchen, wird dort zu Gott gebetet, auch für diese unterdrückten Frauen, dass sie frei werden, dass sie dieses schreckliche Schicksal vergessen können und als starke Frauen wieder in ihre Länder zurück gehen können. Nächstenliebe und die christliche Barmherzigkeit ist sicherlich ein Motor, wieso Gaby Wentland den Frauen hilft. Übrigens war William Wilberforce, der stark dazu beigetragen hat, dass 1833 die Sklaverei verboten wurde, auch ein Christ.

Zwangsmissionierung – Nein, die Frauen aus der Zwangsprostitution brauchen alles andere als Zwang. Es werden Frauen jeder Nationalität und Religion aufgenommen und sie können ihre eigene Religion ausüben. Ein Großteil der bisher im MISSION FREEDOM HOME untergebrachten Frauen sind Muslima. Wir bieten Gebet auf freiwilliger Basis an und die Frauen wissen, dass wir als Mitglied der Diakonie auch Christen sind. Falsch ist auch, dass bei uns nur christliche Musik gehört werden muss. MISSION FREEDOM hat nicht nur das Wort „Freiheit“ im Namen – wir praktizieren es auch.

Selbstverständlich haben alle Frauen im Home ihr eigenes Handy!

Behörden - MISSION FREEDOM hatte nie vor, als normales Frauenhaus anerkannt zu werden. Die Bitte an die BASFI (Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration) war lediglich, eine Sonderregelung zu finden, um einen Status wie ein Frauenhaus zu erhalten, damit MISSION FREEDOM im Kontakt mit Jobcentern ebenfalls die Möglichkeit bekommt, die persönlichen Daten der Klienten zu schützen und Auskunftssperren auf die Daten zu legen, wie es bei Frauenhausbewohnerinnen üblich ist. Denn es besteht sonst die Gefahr, dass der Wohnort einer geflohenen Frau bekannt gemacht wird. MISSION FREEDOM arbeitet natürlich zusammen mit Jobcenter, Sozialamt, Jugendamt, Ausländerbehörde, Standesamt etc..

Zusammenarbeit Koofra (ein unabhängiger eingetragener Verein, zum größten Teil finanziert durch die Stadt Hamburg) - Gleich zu Beginn unserer Vereinsarbeit haben wir uns bei Koofra vorgestellt. Danach haben wir noch mehrmals bzgl. unserer Klientinnen mit ihnen zusammen gearbeitet. Allerdings gestaltete es sich nicht optimal. Wir hörten von Missverständnissen, baten um Aufklärungsgespräche, die jedoch mehrmals seitens Koofra verschoben wurden. Wir sind weiterhin gesprächsbereit.

Es gibt außer der Koofra noch andere Organisationen, die sich ebenfalls um Zwangsprostituierte kümmern, mit diesen Organisationen arbeitet MISSION FREEDOM erfolgreich zusammen zur:

  • Nutzung fachlicher Kompetenz

  • Übernahme sicherheitsgefährdeter Frauen an dem jeweiligen Standort

  • Übernahme von betroffenen Frauen wenn die jeweiligen Häuser voll sind

  • Unterstützung und Erfahrungsaustausch jeder Art

Verbundene Organisationen:

„Gemeinsam gegen Menschenhandel“ – gegründet und aktiv begleitet von dem Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich (hier ist MISSION FREEDOM Gründungs-Mitglied). MISSION FREEDOM arbeitet außerdem zusammen mit The A21 Campaign (Abolishing Injustice in the 21st Century) und CARF in Ghana, sowie in Nigeria, Great Africa Network for Women mit Sitz in Berlin und Benin City, Nigeria. Weiter mit dem Frauenhaus Esther in Rumänien und weiteren Organisationen unter dem Dach des European Freedom Networks. Weiterhin verbunden mit International Justice Mission Deutschland e.V., Solwodi (Solidarity with Women in Distress), Alabaster Jar e.V. Berlin, Bright Future, Herzwerk, ORA International, Heartwings e.V., Sabatina e.V., Stop the Traffik und anderen.

Hausordnung – ja, unsere Hausordnung wird von den Frauen unterschrieben, in der es u.a. heißt, dass unsere Adresse geheim bleiben muss. Die Frauen können jederzeit kommen und gehen, haben ihren eigenen Schlüssel – sind frei. Sie erhalten von uns den Schutz, den sie benötigen (wobei wir kein offizielles „Schutzhaus“ z.B. im polizeilichen Zeugenschutz sind, für das spezielle Anforderungen bestehen). Zur Anerkennung der Hausordnung gehört auch die Beteiligung an Gemeinschaftsdiensten. Wir helfen den Betroffenen, physisch wie psychisch zu Kräften zu kommen und bereiten sie auf einen Neustart in ein eigenständiges Leben vor.

Deutschland wird weltweit das „Bordell Europas“ genannt – alle großen Städte klagen laut über den Menschenhandel mit Zwangsprostituierten - Hamburg erfasst keine Zahlen!

MISSION FREEDOM hat bereits durchaus einen beachtlichen Beitrag leisten können gegen den Menschenhandel, aufgrund der guten Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und der tatkräftigen Hilfe der Menschen, die ebenfalls Sklavenhandel in unserem Land nicht dulden wollen.

Überblick MISSION FREEDOM HOME 2013:

Insgesamt war es ein sehr spannendes Jahr für uns. Wir konnten erleben, wie Gerichtsprozesse gegen Peiniger geführt wurden, einige Frauen in andere Städte ziehen und dort Ausbildungen beginnen konnten, andere Frauen konnten durch Therapie, Seelsorge und intensive psychosoziale Betreuung große Schritte in Richtung Wiederherstellung und neuen Lebensmut gehen. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung diverser Stellen wie dem weißen Ring oder anderen Beratungsstellen, die uns weiterhalfen, wenn es auf den ersten Blick keinen Ausweg zu geben schien. Bei jeder Frau geht es darum, einen individuellen Plan zu entwickeln, welche Hilfen für die Frau in Frage kommen, was ihre Ziele sind und wie wir sie darin unterstützen können, diese zu erreichen. Wenn die nötige Grundstabilität wiederhergestellt ist, betreuen wir die Frauen auf Wunsch auch ambulant, also in der eigenen Wohnung weiter – so auch im Augenblick, da einige Frauen diesen Schritt in die Selbständigkeit gehen konnten.