Leben in Freiheit für Frauen
aus Menschenhandel / Zwangsprostitution

Traumatisierung als besondere Herausforderung

Die umfangreiche Thematik der Traumatisierung kann hier nur angerissen werden.

Was versteht man unter einem Trauma?

Ein psychisches Trauma ist eine seelische Wunde, die durch Situationen entsteht, in denen ein Mensch Zustände von extremer (Todes-)Angst, Hilf- und Schutzlosigkeit erlebt und mit der Verarbeitung überfordert ist.

Nach solchen extremen, schockierenden Stresssituationen wird die Erinnerung an das Erlebte fragmentarisch als sog. „Traumamaterial“ im Gehirn abgespeichert: Beziehungserfahrungen, Bilder, Emotionen, Denkweisen, körperliche Empfindungen wie Gerüche oder Geräusche. Durch Dinge, die daran erinnern (sog. „Trigger“ = Auslöser), kann die traumatische Situation wieder hervorgerufen und erneut intensiv durchlebt werden, was eine starke Belastung für die betroffene Person darstellt, da sie dieses Geschehen nicht bewusst steuern kann.

Frauen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution geworden sind, sind multiplen traumatischen Situationen ausgesetzt: Sie wurden getäuscht, sind in einer ihnen völlig fremden Welt, werden gewaltsam festgehalten und müssen für längere Zeit unter Zwang sexuelle Dienstleistungen erbringen. Der Kontakt zu ihren Familien ist abgeschnitten. Anstatt Geld verdienen zu können werden sie ausgebeutet, erniedrigt, beleidigt und brutal geschlagen. Sie werden gezielt in extreme Angst versetzt, um sie gefügig zu machen.

Um derartige Umstände überhaupt ertragen zu können reagiert die Psyche sehr oft mit inneren Abspaltungen der Persönlichkeit (Dissoziationen).

Nach der Befreiung aus dieser Situation können sich posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) mit folgenden Symptomen entwickeln:

Unkontrollierbares Wiedererleben der traumatischen Ereignisse

  • Alpträume
  • „Flashbacks“ 

Alle körperlichen Reaktionen wie Zittern, Schweißausbrüche treten dabei wieder auf.

Bewusste oder unbewusste Vermeidung und emotionale Taubheit 

  • Gedächtnislücken
  • Verweigerung, über das Erlebte zu sprechen
  • Gefühllosigkeit
  • sozialer Rückzug, Apathie

Ständige Übererregung

  • Schlafstörungen
  • Schreckhaftigkeit
  • Reizbarkeit, Wutausbrüche
  • Konzentrationsstörungen

- psychosomatische Reaktionen wie körperliche Schmerzen, Schwindelgefühl, Allergien etc.

Ein Faktor, der für die Bewältigung von traumatischen Erlebnissen entscheidend ist, ist die Vorgeschichte des Opfers. Hat das Opfer eine glückliche Kindheit in stabilen Beziehungen erlebt, kann es traumatische Erlebnisse wesentlich besser und schneller verarbeiten als jemand, der schon als Kind missbraucht wurde.

Studien zufolge haben bis zu 60% der Opfer von Zwangsprostitution schon in der Kindheit Gewalt erleben müssen. 30% wurden sexuell missbraucht. (Zimmerman)

Es ist leicht nachvollziehbar, dass Personen, die durch eine solche „Hölle auf Erden“ gegangen sind, hinterher stärkste Schwierigkeiten haben, wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Die Erinnerungen quälen sie, auch fällt es ihnen schwer alles geordnet zu Protokoll zu geben bzw. vor Gericht auszusagen. Gerade letzteres stellt eine enorme emotionale Belastung dar. Viele Frauen sind zunächst nicht bereit eine Psychotherapie anzufangen, da sie sich nicht noch einmal mit den schrecklichen Erinnerungen konfrontieren wollen. Ohne Hilfe aber bleiben sie für ihr Leben lang gezeichnet.

Daher bietet das MISSION FREEDOM Home bewusst eine sichere, liebevolle und geordnete Umgebung an, in der die Frauen zunächst einfach nur zur Ruhe finden können. Sie dürfen schrittweise lernen Vertrauen aufzubauen. Hierzu wird jeder Frau eine Bezugsperson zugeordnet. Seelsorger, Therapeuten und Sozialarbeiter stehen ihnen mit Einfühlungsvermögen und Know-How zur Seite. Niemand wird zu etwas gezwungen, Liebe und Respekt vor den Gästen haben oberste Priorität.

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Quellen:
Katarzyna Zentner: Mensch im Dunkel, Intern. Verlag d. Wissenschaften, Frankfurt/Main 2009
Cathy Zimmerman: Stolen Smiles (PDF)