Rituelle Gewalt

Dissoziative Identitätsstörung

Eine Dissoziative Identitätsstörung ist die schwerste Form von Traumafolgestörungen. Früher war diese Form auch unter dem Namen Multiple Persönlichkeitsstörung bekannt. In rituellen Strukturen werden in Kindern gezielt Persönlichkeitsanteile geschaffen, um sie abzurichten.

++ Achtung, dieser Text enthält Trigger ++

Inhaltsübersicht

Wie entsteht eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS)?

Wer in frühester Kindheit regelmäßig traumatischen Erlebnissen wie z.B. schwerster Gewalt ausgesetzt ist, entwickelt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine „Dissoziative Identitätsstörung”. Ein traumatisches Erlebnis bedeutet, dass ein Kind in der Situation weder fliehen noch kämpfen kann, sondern durch die Situation selbst so überwältigt wird, dass nur noch die Flucht ins Innen bleibt. Das kindliche Gehirn kann die Schwere der Situation noch nicht verarbeiten, sodass es – um überleben zu können – dieses Erleben abspaltet. Das Selbst hat danach keine Erinnerung mehr daran.  

Vielen Menschen sind solche Situationen eher durch Schock-Momente bei Auto-Unfällen bekannt. Man hat keine Erinnerung an den Unfall selbst, aber man ist irgendwie aus dem Auto geklettert und hat vielleicht sogar noch anderen Menschen geholfen. Schwere Verletzungen werden nicht gespürt.  

Wenn kleine Kinder regelmäßig traumatischen Situationen ausgesetzt sind, aus denen sie nicht entkommen können, dann werden diese Situationen nicht im normalen Gedächtnis abgespeichert, sondern verschwinden im Trauma-Gedächtnis. Die Erinnerung daran ist dadurch nicht bewusst abrufbar. Eine Gruppenvergewaltigung z.B. wird in viele Fragmente aufgeteilt, wie den Geruch, die Geräusche und die Bilder. All diese Fragmente werden wie Puzzle-Stücke in einem unbewussten Teil des Gehirns abgelegt. Das Gehirn ist im Moment des Geschehens nicht in der Lage, das Erlebte zu verarbeiten und im Gedächtnis abzuspeichern. Der ganze Körper ist unter hohem Stress und Adrenalin wird ausgeschüttet.

Bei der Dissoziativen Identität spalten sich nicht nur Erinnerungsfragmente ab, sondern die gesamte Persönlichkeit spaltet sich in mehrere Persönlichkeits-Anteile auf. Dies ist eine extreme Schutzreaktion des Gehirns und hilft dem Kleinkind Extremsituationen zu überleben, die regelmäßig wiederkehren.

Beispiel Anna:

Der Stiefvater der einjährigen Anna schleicht sich regelmäßig nachts in ihr Zimmer, um sie zu missbrauchen. Der körperliche Schmerz und die Tatsache, dass eine Bindungsperson ihr so etwas antut, ist für die kleine Anna viel zu überwältigend. Sie kann nicht fliehen und ist der Situation hilflos ausgesetzt. Sie dissoziiert ins Innere und hat keine Erinnerungen an das nächtliche Erlebte. Zum Zeitpunkt der ersten Vergewaltigung hat sich in Anna ein anderer Persönlichkeits-Anteil gebildet. In dem Moment, als es für Anna unmöglich schien zu überleben. Dieser neue Anteil – nennen wir sie Lara – kommt immer dann zum Vorschein, wenn der Stiefvater sich nachts über ihren Körper beugt. Lara weiß nichts von Anna und sie hat nur Erinnerungen an die nächtlichen Situationen mit ihrem Stiefvater. Anna wiederum weiß nichts von Lara und hat keine Erinnerungen daran, dass ihr Stiefvater ihr nachts weh tut. Sie erlebt ihn nur tagsüber und genießt die Zeit mit ihm. Er spielt mit ihr und liest ihr aus Büchern vor. Annas Erinnerungen an den Stiefvater sind positiv.

Hat der Körper erstmal einen neuen Persönlichkeits-Anteil abgespaltet, fällt es ihm bei weiteren Extremsituationen leichter, weitere neue Anteile zu bilden.

Der Stiefvater von Anna fängt an, sie auch an seine Freunde zu verleihen. Regelmäßig kommen diese vorbei und Anna muss sich zu ihnen setzen. Was dann passiert, erlebt sie nicht mehr. Die Grausamkeiten der Freunde sind auch für Lara zu viel. Es entsteht ein weiterer Persönlichkeitsanteil – Lisa. Lisa kommt immer dann zum Vorschein, wenn Annas Körper den Freunden des Stiefvaters zur Verfügung stehen muss. 

Auf diese Weise können mehrere Persönlichkeits-Anteile in einem Menschen entstehen. Sie teilen sich die schlimmen Erlebnisse auf. Kein Anteil weiß von den anderen. Jeder kennt nur die eigenen Erinnerungen und hat eine Amnesie für die Erlebnisse der anderen.

Wie fühlt sich die Dissoziative Identität im Alltag an?

Betroffene einer DIS wissen häufig zunächst gar nicht, dass sie mehrere Persönlichkeiten in sich haben. Sie haben im Alltag keine Erinnerungen an die schlimmen Ereignisse. Für sie ist es jedoch normal, dass sie Zeitlücken haben und dass sie sich regelmäßig in unerklärlichen Situationen befinden. Sie lernen, durch bestimmte Fragen schnell und unauffällig herauszufinden, wo und wann sie sich gerade befinden. Manchmal ist ein Anteil über einen längeren Zeitraum nicht im Körper (d.h. nicht im aktuellen Erleben) und verpasst viele Monate. Dadurch fühlt es sich für diesen Anteil z.B. im Sommer so an, als sei doch gerade erst gestern Winter gewesen. Viele Dinge im Kleiderschrank sind für den Persönlichkeitsanteil unerklärbar, da er/sie diese nicht selbst gekauft hat. 

Manchmal haben die Personen Verletzungen oder Schmerzen, die sie sich nicht erklären können. Manchmal werden sie von anderen bezichtigt, etwas Bestimmtes gesagt oder getan zu haben, was sie vehement verneinen, da sie daran keine Erinnerung haben.

Menschen mit vielen anderen Persönlichkeitsanteilen hören in ihrem Kopf immer mal wieder die Stimmen der anderen Anteile. Für sie ist es normal, dass sie Stimmen im Kopf hören. Manche der Stimmen weinen, andere sind sauer.

Dissoziative Identität im Rahmen von organisierten rituellen Gruppierungen

In Tätergruppen existiert ein ausgeprägtes Wissen darüber, wie man Menschen bewusst Nahtod-Erfahrungen aussetzt und foltert, um gezielt einen neuen Persönlichkeitsanteil zu schaffen. Dann ist die Multiple Persönlichkeit nicht „zufällig” aus Schutzgründen entstanden, sondern sie wird absichtlich durch Täter aufgebaut. Bewusst werden so Anteile für das Leben im Alltag geschaffen und Anteile für das Leben in den Netzwerken. Die einzelnen Persönlichkeitsanteile sind durch äußere „Signale” hervorrufbar und werden für bestimmte Aufgaben trainiert. Für die Täter-Netzwerke bietet die DIS einen wichtigen Schutz für ihre Verbrechen. Die Opfer können sich im Alltag nicht an die Straftaten erinnern und können daher auch keine Aussagen bei der Polizei machen. Gleichzeitig können die Täter Menschen zu modernen Sklaven machen, die auf ein Code-Wort hin in einen anderen Anteil wechseln und zum Beispiel als Sexsklavin für jegliche Wünsche der Kunden zur Verfügung stehen. Der Sexsklavin-Anteil hat keine Erinnerungen an einen normalen Lebensalltag, sondern kennt nur Sex und Missbrauch. Die gesamte Identität des Anteils ist darauf ausgerichtet.

Überlebende von organisierter ritueller Gewalt haben zunächst keine Erinnerungen an die erlebten Grausamkeiten. Erst im Laufe des Erwachsenen-Alters kommen Bruchstücke von Erinnerungen hoch. Erinnerungsfetzen an furchtbare Gewalt, die sie sich nicht erklären können. Sie denken, sie drehen durch. Sie können sich die Bilder im Kopf nicht erklären. Sie scheinen zu furchtbar, um sie jemandem zu erzählen. Die Erinnerungen an ihre Kindheit deutet eigentlich auf eine Heile-Welt-Familie hin. Im Laufe des Ausstiegs wird dieses Bild jedoch immer weiter zerbröckeln, da immer mehr Erinnerungen hochkommen, die diese scheußliche, brutale und dunkle Realität wiedergeben.

Typische Unterschiede in den Persönlichkeitsanteilen

Die inneren Persönlichkeitsanteile einer Dissoziativen Identität entwickeln jeweils einen eigenen Charakter und unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Dies hängt damit zusammen, dass jeder Anteil unterschiedliche Erfahrungen macht und unterschiedlichen Umständen ausgesetzt ist. Anteile, die viel Zeit im Körper verbringen, wachsen und reifen mit diesem. Das Alter kann zwischen den Anteilen variieren. Manche Anteile haben das selbe Alter wie der Körper, andere sind jünger, manche sind älter. Das Alter wird zum einen dadurch bedingt, in welchem Körperjahr der Anteil entstanden ist, zum anderen durch die Situation und das dafür erforderliche Alter.

Je nach Situation kann es zum Überleben hilfreich sein, wenn der Anteil dabei die Identität eines bestimmten Alters oder sogar ein anderes Geschlecht annimmt. Die meisten Anteile im Inneren einer Multiplen Persönlichkeit sind jünger, viele noch kindlich.

Der Körper der betroffenen Person kann bereits erwachsen sein. Wenn jedoch ein jüngerer Anteil im Bewusstsein vorne ist, dann verändert sich die Mimik und Gestik der Person, die Sprache ist deutlich kindlich, entsprechend dem Alter des Anteils. Teilweise hängt das Alter eines Anteils auch damit zusammen, welches Alter von den Tätern für bestimmte sexuelle Dienstleistungen erwünscht ist.  

Persönlichkeitsanteile unterscheiden sich nicht nur im Alter,  Geschlecht und in Gestik und Mimik. Auch die körperliche Verfassung und die Gesundheit variieren. Manche Anteile können kaum sehen, während andere im gleichen Körper sehr gute Augen haben. Manche haben eine Lebensmittelunverträglichkeit, während andere problemlos alles essen können.

Wem es schwerfällt, sich diese Art von Persönlichkeitsaufspaltung vorzustellen oder wer sich fragt, wie die Wissenschaft mit dem Thema umgeht, dem seien hier weitere wissenschaftliche Artikel zum Lesen empfohlen:

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